Newsletter und Mailinglisten enthalten normalerweise einen sichtbaren Link, über den man sich wieder abmelden kann. Doch nicht immer ist dieser Link vorhanden oder einfach zu finden.
Eine weitere Möglichkeit versteckt sich direkt in den technischen Informationen einer E-Mail: der Header List-Unsubscribe. Dieser Header kann eine E-Mail-Adresse oder URL enthalten, über die sich ein Empfänger aus einer Mailingliste austragen kann.
Auf diesen Mechanismus bin ich im Rahmen der Analyse eines E-Mail-Sturms gestoßen, bei dem meine E-Mail-Adresse ohne mein Zutun Mitglied einer Google Group beziehungsweise Mailingliste geworden war.
Was ist List-Unsubscribe?
E-Mails bestehen nicht nur aus dem sichtbaren Absender, Empfänger, Betreff und eigentlichen Nachrichteninhalt. Im Hintergrund enthält jede E-Mail zahlreiche zusätzliche Header. Diese beschreiben unter anderem den Transportweg der Nachricht, die verwendeten Mailserver und weitere technische Eigenschaften.
Mailinglisten können zusätzliche Header verwenden, beispielsweise:
List-ID:
List-Post:
List-Help:
List-Archive:
List-Unsubscribe:
Für die Abmeldung ist insbesondere List-Unsubscribe interessant.
Ein entsprechender Header kann beispielsweise so aussehen:
List-Unsubscribe:
<mailto:unsubscribe@example.com>,
<https://example.com/unsubscribe>
Damit teilt der Betreiber der Mailingliste dem E-Mail-Client zwei mögliche Wege zur Abmeldung mit:
- Abmeldung über eine HTTPS-Webseite
- Abmeldung per E-Mail
Moderne E-Mail-Clients können diese Information auswerten und daraus teilweise automatisch eine Schaltfläche wie „Abbestellen“ oder „Abmelden“ anzeigen.
One-Click-Unsubscribe
Zusätzlich kann der Header List-Unsubscribe-Post verwendet werden. Zusammen mit einer HTTPS-URL in List-Unsubscribe ermöglicht er unterstützenden E-Mail-Clients eine direkte Abmeldung, ohne dass der Benutzer die Webseite des Absenders aufrufen muss. Hierzu wird die Abmeldung per HTTP-POST an die angegebene URL übermittelt.
List-Unsubscribe: <https://example.com/unsubscribe>
List-Unsubscribe-Post: List-Unsubscribe=One-Click
Das Verfahren ist in RFC 8058 definiert und wird in der folgenden Abbildung schematisch dargestellt.

List-Unsubscribe in den E-Mail-Headern finden
Ist keine entsprechende Funktion in der Mail respektive dem E-Mail-Client sichtbar, kann der Header auch manuell geprüft werden. Dafür müssen die vollständigen beziehungsweise ursprünglichen Header der Nachricht angezeigt werden.
Je nach E-Mail-Client heißt diese Funktion beispielsweise:
- Nachrichtenquelle anzeigen
- Original anzeigen
- Internetkopfzeilen anzeigen
- Message Source
- Show Original
- Show Headers
Anschließend kann innerhalb der Header nach dem Begriff List-Unsubscribe gesucht werden.
Bei der Analyse meines E-Mail-Sturms fand ich folgenden Header:
List-Unsubscribe:
<mailto:googlegroups-manage+3090089275+unsubscribe@googlegroups.com>,
<https://groups.google.com/a/gfx4mcd.com/group/7b/subscribe>
Damit stellte Google für die betreffende Mailingliste einen Mechanismus zur Verfügung, um die Mitgliedschaft wieder zu beenden.
Austragen über eine URL
List-Unsubscribe kann eine HTTPS-Adresse enthalten. Diese führt normalerweise zu einer Webseite, über die eine Abmeldung durchgeführt oder bestätigt werden kann.
Ob und wie die Abmeldung funktioniert, hängt vom jeweiligen Betreiber der Mailingliste ab. In meinem konkreten Fall war der Weg über die angegebene Google-Groups-URL nicht nutzbar, weshalb ich die Abmeldung per E-Mail verwendet habe.
Austragen per E-Mail
Enthält List-Unsubscribe einen mailto:-Eintrag, kann eine E-Mail an die dort angegebene Adresse gesendet werden.
Bei automatisierten Mailinglisten ist der Inhalt der Nachricht häufig nicht entscheidend. Je nach Anbieter kann bereits eine leere E-Mail ausreichen oder eine zusätzliche Bestätigung erforderlich sein.
In meinem Fall konnte ich mich über die im Header angegebene Adresse erfolgreich aus der Google Group austragen.
Vorsicht bei Spam
Nicht bei jeder unerwünschten E-Mail ist eine Abmeldung sinnvoll.
Bei seriösen Newslettern und bekannten Mailinglisten kann List-Unsubscribe problemlos zur Abmeldung verwendet werden. Bei offensichtlichem Spam sollte dagegen auf eine Interaktion mit dem Absender verzichtet werden.
Durch eine Abmeldung kann unter Umständen bestätigt werden, dass:
- die angeschriebene E-Mail-Adresse existiert,
- das Postfach aktiv verwendet wird,
- der Empfänger auf Nachrichten reagiert.
In solchen Fällen kann es daher sinnvoller sein, die Nachricht als Spam zu markieren und den Absender beziehungsweise entsprechende Merkmale der Nachricht zu blockieren.
Sonderfall: Unbekannte Mailingliste
Etwas schwieriger wird die Entscheidung, wenn die eigene Adresse ohne Zustimmung in eine Mailingliste aufgenommen wurde. Genau das war bei meinem E-Mail-Sturm der Fall.
Da die verwendete Liste offensichtlich nicht legitim von mir abonniert worden war, gab es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
Nachrichten blockieren
Die E-Mails werden anhand von Absender, List-ID oder anderen Eigenschaften gefiltert. Die eigene Adresse bleibt allerdings Mitglied der Mailingliste.
Aus der Liste austragen
Über List-Unsubscribe wird versucht, die Adresse tatsächlich aus der Mailingliste zu entfernen. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass eine aktive Nutzung der E-Mail-Adresse bestätigt wird.
Fazit
List-Unsubscribe bietet eine standardisierte Möglichkeit, sich aus Newslettern und Mailinglisten auszutragen – auch wenn in der eigentlichen Nachricht kein sichtbarer Abmelde-Link vorhanden ist. Je nach Anbieter erfolgt die Abmeldung per E-Mail, über eine HTTPS-URL oder direkt über den E-Mail-Client mittels One-Click-Unsubscribe.
In meinem Fall entschied ich mich für die im Header angegebene E-Mail-Adresse und konnte mich darüber erfolgreich aus der unerwünschten Google Group austragen.